Autor: Frederico Tollo Paperback mit 120 Seiten Format: 11 x 17,8 cm
THELEMA steht in der heutigen Zeit als Inbegriff der Lehren Aleister Crowleys. Dies ist ein Irrtum. Hier wird Thelema erstmalig in seiner Bedeutungsfülle etymologisch untersucht. Der Freikatholik Federico Tolli legt nunmehr eine Arbeit zu Thelema vor, welche den Begriff schon in den frühchristlichen und gnostischen Schriften ausweist. Eine solche Untersuchung zur Genese und Rezeption des Begriffes von seinem ersten Auftreten bis in die heutige Zeit hat es zuvor noch nicht gegeben. Vergessen ist, dass schon der Kirchengründer Augustinus von einer Vergöttlichung des Menschen durch die Gottesliebe im Nächsten ausging und dass das darin beinhaltete Gesetz "Tu was du willst" - sofern es in der Vergöttlichung durch Liebe stattfindet - nie fehlgeleitet sein kann. Tollis Buch besteht aus zwei Teilen - der Rekapitualiton THELEMAs in der Kirchengeschichte wie auch bei den Mystikern bis hin zu den modernen Okkultisten, von denen Crowley nur die Spitze eines Eisberges darstellt - und der Herleitung mit Hilfe seiner Interpretation von THELEMA der Vision einer christlichen Meta-Religion von morgen. Ich halte das Bändchen vom Umfang einer besseren Diplomarbeit für ein wichtiges religionswissenschaftliches Werk, das die Grundlage bilden wird für den noch ausstehenden Dialog zwischen dem Christentum und der okkulten Logenwelt. Die Kirchen werden in Zeiten ihrer notwendigen Umorientierung die theologische Auseinandersetzung mit THELEMA nicht aussparen können. So wie auch die okkulten Gruppierungen über ihren Tellerrand hinausschauen müssen. Deren Alleinanspruch auf Wurzeln und Inhalte ihrer Philosophie sind nach der Vorlage der Arbeit von Tolli nicht mehr vertretbar. Für den interdisziplinären Dialog zwischen Kulturen und Religion ein unverzichtbares Werk. Berthold Röth |