Filippo erschrak dermassen, dass er wie zur Salzsäule erstarrt stehen blieb. Ungläubig und
überrascht starrte er den Mann an und dann wieder den Koffer. Er realisierte aber sofort:
Gegen diese menschliche Mauer hatte er nicht die geringste Chance. Der Mann war ihm vom
Körperbau her um einiges überlegen.
Blitzschnell schätzte Filippo die Situation ein und erkannte, dass sich die Kabine von Justus
von Richtfeld nur wenige Meter hinter dem Fremden befinden musste.
Filippo versuchte unter einem fadenscheinigen Grund an seinem Gegenüber vorbei zu
kommen und steuerte auf ihn zu. «Guten Abend», begrüsste Filippo den Mann mit einem
möglichst höflichen Unterton.
Der Fremde liess ihn ohne weiteres vorbei und erwiderte sogar den Gruss. Aber kaum war
Filippo ein paar Schritte weitergegangen, versperrte ihm eine andere Person den Weg. Wie
aus dem Nichts stand Filippo nun dem Hakennasigen gegenüber, der ihn mit hämischem
Gesichtsausdruck anlachte.
Jetzt erst realisierte Filippo, weshalb ihn der Kofferträger hatte vorbeigehen lassen. Er war in
eine gut vorbereitete Falle getappt.
Für einen Augenblick standen sich Filippo und der Hakennasige reglos gegenüber. Filippo
getraute sich nicht umzuschauen, vermutete jedoch, hinter ihm schnitt ihm der Kofferträger
jeden Fluchtweg ab. Entweder war jetzt Gewalt angesagt oder eine List, schoss es ihm durch
den Kopf. In letzter Verzweiflung schätzte er seine Chancen ein, wenigstens einen der beiden
zu überwältigen.
Er nahm den Hakennasigen ins Visier, der ihm körperlich eher unterlegen schien. Filippo
nahm Mass, rannte los und rammte diesen sein linkes Knie heftig in den Unterleib, so dass
der Angegriffene wie ein Klappmesser zusammensackte und zur Seite fiel. Der Weg war nun
frei, Filippo spurtete los und hoffte, der andere Mann wäre wegen seiner Körpermasse zu
träge, um ihm folgen zu können.
Filippo rannte um sein Leben. Ein kurzer Blick zurück zeigte ihm, dass er schneller war. Der
Abstand dazwischen wurde grösser.
Bald erreichte er das Treppenhaus, welches zur Halle führte. Er hoffte, dass sich dort auch
jetzt Personen aufhalten würden. So wäre er wenigstens für einen Augenblick sicher.
Aber weit gefehlt. Ein weiterer Verfolger stand bereits oben auf der Galerie und schaute nach
unten, wo er ihn entdeckte.
Filippo beschloss, auf das Promenadendeck zu flüchten. Hier gab es genug Verstecke, wo er
warten wollte, bis sich die grösste Aufregung gelegt hatte.
Kaum hatte er die Tür geöffnet, welche nach draussen führte, stand ihm schon wieder der
Hakennasige gegenüber. Keine zehn Meter lagen zwischen ihm und seinem Widersacher. Das
hämische Grinsen von vorhin war ihm allerdings aus dem Gesicht gewichen. Blanker Zorn
sprühte aus seinen Augen.
Filippo wollte eben zum Sprung über die Reling ansetzen, um auf das darunter liegende Deck
zu gelangen, da bemerkte er eine verdächtige Bewegung seines Gegenübers. Blitzschnell griff
der Hakennasige unter sein Jackett und zog eine Faustfeuerwaffe hervor.
Was sich jetzt ereignete, daran konnte sich Filippo später nicht mehr genau erinnern. Er
wusste zwar noch, dass er instinktiv auf Distanz zu seinem Gegenüber geblieben war. Auch
prägte es sich noch in sein Hirn ein, wie der Fremde die Körperhaltung drohend veränderte
und einige Schritte auf ihn zukam, und kaum einen Herzschlag später realisierte Filippo – wie
durch einen Nebel hindurch – wie der Hakennasige, die Waffe mit beiden Händen haltend,
sich breitbeinig vor ihm aufbaute und genau auf ihn zielte. Mit der rechten Hand lud er dann