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Lansburgh Werner, Dear Doosie - Eine Liebesgeschichte in Briefen
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 29.50CHF  Harry Schneider, Bosco Quarino
[Artikelnummer: 9783907860083]
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Die Walserwanderungen waren für die Gründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft zentral. Die Walser lebten nämlich genau die Freiheiten, die für die spätere Schweiz bedeutsam wurden. Der Roman beruht auf den historischen Ereignissen des 13. und 14. Jahrhunderts. Persönlichkeiten von damals erleben mit frei erfundenen Romanfiguren die Pionierzeit in den südlichen Alpentälern. Dabei bildet die höchst gelegene Gemeinde des Tessins Bosco Quarino, heute Bosco Gurin genannt, die atemberaubende Kulisse des historischen Romans.

-> mehr über den Autor unter www.westiebooks.ch

Leserschaft: Jugendliche ab 12 Jahren, Erwachsene

Bosco Quarino

Augenblicke wie der jetzige inspirierten ihn besonders. Er dachte wieder an die Alpen in

Bosco Quarino, über die er eigentlich viel lieber selber verfügen wollte, und an die Walser,

die ihm dabei einen Strich durch seine Rechnung machten.

Wie ihm diese Gedanken durch den Kopf gingen, verspürte er wieder diesen unseligen Hass

gegen alles, was sich gegen ihn richtete.

Er erhob sich abrupt, als hätte ihn ein Skorpion gestochen. Mit sicherem Tritt und wehendem

Umhang stieg er weiter der einsamen Behausung des alten Mannes oben am Berg entgegen.

Meterhohe Bäume warfen lange Schatten. Das Mondlicht tauchte die Kastanienselven in ein

gespenstisches Licht.

Der runzlige Eremit war es sich gewohnt, zu später Stunde noch Besucher zu empfangen.

Seine «Kundschaft» traute sich ohnehin nicht, ihn bei Tag aufzusuchen.

So war er auch nicht überrascht, als Lodovico Magoria an die Tür seiner Hütte klopfte.

Langsam öffnete er sie zu einem schmalen Spalt. Der alte zerlumpte Mann schaute in die

Dunkelheit hinaus. Er erkannte den nächtlichen Besucher auf den ersten Blick. Er hiess ihn

wortlos einzutreten. Im Herd flackerte ein kleines Feuer – das einzige Licht im Raum.

Lodovico Magoria kam der Aufforderung zögernd nach und betrat naserümpfend die

spartanisch eingerichtete Hütte. «Man sollte dich in Cevio in die hochgehende Maggia werfen

und bis in den Lago treiben lassen. Du stinktst ja wieder wie ein alter Schafsbock.»

Der Eremit setzte sich mit dem Rücken zu seinem Besucher auf einen Schemel am Feuer und

blickte grinsend in die züngelnden Flammen. Er rieb sich die Hände. Worte wie diese kannte

er von seinem Herrn. «Was führt Euch zu dieser nächtlichen Stunde zu mir, edler Herr?»

Ohne Begrüssung setzte sich Lodovico Magoria an den Rand des kniehohen Herds. Er sah

dem Eremiten von der Seite her ins Gesicht. Mit der rechten Hand schob er den weiten

Mantelsaum unter sein Gesäss, so dass das Feuer ihm nicht zu nahe kam. Ohne Umschweife

fragte er ihn: «Du kennst doch diese Leute von Monte Crestese, von denen man weiss, dass

sie überall brandschatzen und rauben?»

«Woher soll ich das wissen, edler Herr?», log der Eremit, denn er ahnte, was sein nächtlicher

Besucher einmal mehr von ihm erwartete.

«Stell dich nicht dumm. Ich weiss, dass du zu den Bewohnern von Crevola und denen im

Valle Antigorio und Valle dell’Isorno gute Kontakte pflegst.»

Lodovico Magoria war sich der Sache deshalb so sicher, weil er dafür auch Beweise besass.

«Lüg mich nicht an. Wieso solltest du die Monte Cresteser nicht kennen, wo du selber aus

dieser Gegend stammst?»

Es hat keinen Zweck zu widersprechen, dachte der Eremit und antwortete diplomatisch: «Nun

gut, ich kenne da einige Männer aus diesen Orten. Aber was wollt Ihr von ihnen, edler Herr?»

«Verdammt noch mal, hör auf mit diesem edlen Herrn, ich mag solche Anreden nicht, und

schon gar nicht von dir. Kommen wir zur Sache.»

Lodovico Magoria wurde ungehalten und wirkte nervös.

«Wie Ihr meint, edler Herr.»

Lodovico Magoria überhörte die Feinheit der Antwort offenbar, oder vielleicht gab er es

einfach auf, deswegen beim Alten nochmals zu insistieren.

«Ich sage dir, es gibt da im oberen Valle di Bosco eine kleine Sippe, die mir ganz und gar

nicht in meine Pläne passt. Vielleicht hast du von diesen Kolonialisten aus dem Piemont auch

schon mal was gehört?»

Lodovico Magoria schaute fragend auf den Eremiten und wartete auf eine Antwort. Der

Angesprochene verzog jedoch keine Miene und blieb stumm, weshalb Lodovico bald weiter

sprach: «Diese Guriner besetzen seit Jahren unsere besten Alpen und machen sich ganz schön

breit, währenddessen unsere Leute sich mit letzter Kraft mit kargen Böden herumschlagen

müssen.»

Die Schilderung war natürlich masslos übertrieben und enthielt soviel Zynismus, dass es dem

Eremiten nicht im Traum einfiel, etwas darauf zu erwidern. Natürlich wusste er von diesen

Walsern.

Harry Schneider

Bosco Quarino

ISBN 978-3-907860-08-3, 260 Seiten

www.sistabooks.ch

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