Augenblicke wie der jetzige inspirierten ihn besonders. Er dachte wieder an die Alpen in
Bosco Quarino, über die er eigentlich viel lieber selber verfügen wollte, und an die Walser,
die ihm dabei einen Strich durch seine Rechnung machten.
Wie ihm diese Gedanken durch den Kopf gingen, verspürte er wieder diesen unseligen Hass
gegen alles, was sich gegen ihn richtete.
Er erhob sich abrupt, als hätte ihn ein Skorpion gestochen. Mit sicherem Tritt und wehendem
Umhang stieg er weiter der einsamen Behausung des alten Mannes oben am Berg entgegen.
Meterhohe Bäume warfen lange Schatten. Das Mondlicht tauchte die Kastanienselven in ein
gespenstisches Licht.
Der runzlige Eremit war es sich gewohnt, zu später Stunde noch Besucher zu empfangen.
Seine «Kundschaft» traute sich ohnehin nicht, ihn bei Tag aufzusuchen.
So war er auch nicht überrascht, als Lodovico Magoria an die Tür seiner Hütte klopfte.
Langsam öffnete er sie zu einem schmalen Spalt. Der alte zerlumpte Mann schaute in die
Dunkelheit hinaus. Er erkannte den nächtlichen Besucher auf den ersten Blick. Er hiess ihn
wortlos einzutreten. Im Herd flackerte ein kleines Feuer – das einzige Licht im Raum.
Lodovico Magoria kam der Aufforderung zögernd nach und betrat naserümpfend die
spartanisch eingerichtete Hütte. «Man sollte dich in Cevio in die hochgehende Maggia werfen
und bis in den Lago treiben lassen. Du stinktst ja wieder wie ein alter Schafsbock.»
Der Eremit setzte sich mit dem Rücken zu seinem Besucher auf einen Schemel am Feuer und
blickte grinsend in die züngelnden Flammen. Er rieb sich die Hände. Worte wie diese kannte
er von seinem Herrn. «Was führt Euch zu dieser nächtlichen Stunde zu mir, edler Herr?»
Ohne Begrüssung setzte sich Lodovico Magoria an den Rand des kniehohen Herds. Er sah
dem Eremiten von der Seite her ins Gesicht. Mit der rechten Hand schob er den weiten
Mantelsaum unter sein Gesäss, so dass das Feuer ihm nicht zu nahe kam. Ohne Umschweife
fragte er ihn: «Du kennst doch diese Leute von Monte Crestese, von denen man weiss, dass
sie überall brandschatzen und rauben?»
«Woher soll ich das wissen, edler Herr?», log der Eremit, denn er ahnte, was sein nächtlicher
Besucher einmal mehr von ihm erwartete.
«Stell dich nicht dumm. Ich weiss, dass du zu den Bewohnern von Crevola und denen im
Valle Antigorio und Valle dell’Isorno gute Kontakte pflegst.»