Niemand glaubt Mariematter, als sie erzählt, seit einigen Tagen stehe ein Rind auf dem Balkon ihrer Wohnung im Hochparterre eines grossen Wohnblocks. Sie umsorgt es, so gut sie eben kann, schmückt es mit farbigen Bändern und träumt von der Zeit, als sie noch ganz oben gelebt hat, oben am Horizont, mit einer Herde von Kühen. Vielleicht hätte es Mariematter getröstet zu wissen, dass zur gleichen Zeit die Beduinen in der Wüste jede Nacht das Bimmeln und Summen von Kuhglocken hören, während durch die Bahnhofstrasse einer grossen Stadt brüllende Rinder rennen.
Rinder ziehen durch jede Kurzgeschichte von Elisabeth Zurgilgen, sie rennen Zäune ein und andere Grenzen, bis sie sich ganz oben wiederfinden, an der Schneefallgrenze. Der Grund für all diese seltsamen Begebenheiten könnte eine uralte Geschichte sein, die schon immer verboten war, die aber kürzlich jemand wiedererzählt haben muss. Sie erzählt von einem Rind, natürlich, und von einer Sehnsucht, der man nachsagt, sie treibe den Lauf der Dinge voran.
Elisabeth Zurgilgen (1955), geboren und aufgewachsen in Sarnen. Studierte Germanistik und besuchte die Ringier Journalistenschule. Arbeitete lange Zeit als Journalistin und Kolumnistin. Ist Professorin für Kommunikation an der Hochschule Luzern Wirtschaft.
Schrieb Porträts, Hörspiele, Kindermusicals, ein Theaterstück und vor allem Geschichten. Schrieb und erzählte seit 1998 als Autorin für DRS 1 mehr als dreihundert Morgengeschichten.
In Buchform erschienen: „Taxi nach Hellas“, (1993). Kurzgeschichten, Verlag Martin Wallimann und
„Das Spiegelschiff“ (2005), Edition Magma.
Umfang: 104 Seiten Inhalt auf Papier 100grm2 Normaset puro / Umschlag 2 farbig gold und schwarz 300 grm2, Trucard matt, laminiert mit 2 Klappen |