Als ich mich gefangen hatte, hastete ich an Deck, auf der Suche nach Phil. Als ich ihn
gefunden und ihm alles erzählt hatte, war er hocherfreut und gratulierte mir zu meinem
Erfolg. Ich gaffte ihn nur blöd an und brachte kein Wort hervor. Phil lachte: «Ist doch einfach
genial! Ein einfacher Matrose kriegt die Verlobte des Gouverneurssohns, und das noch so
einfach! Hey, Ted! Der Typ hat keine Chance, er ist seekrank und ein Waschlappen! Du bist
ein echter Kerl, hast schon bei Sturm die Segel gerefft! Du besiegst ihn und kriegst deine
Herzensdame! Komm, ich zeig dir noch ein paar Tricks, dann schauen wir, welche Waffe dir
liegt.»
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Phil war dermassen begeistert von diesem Schlamassel,
in dem ich mich befand, dass er nicht einmal realisierte, dass morgen in der Frühe jemand tot
sein würde. Oder gehörte das für ihn zum Nervenkitzel? Nun ja, er musste wohl etliche
Schlachten gekämpft haben und vielleicht einige Dutzend Piraten zersäbelt haben, dennoch
erstaunte mich sein Eifer.
Phil wählte für mich die Waffe, die mich ins Duell begleiten würde: eine leichte
Faustfeuerwaffe. «Dem Typ ist so schwindlig, der wird dich verfehlen. Für ein Fechtduell bist
du mir einfach noch zu unerfahren.»
Die Nacht war schrecklich. Ich lag schweissgebadet in meiner Hängematte und wusste weder
ein noch aus. Meine Gedanken glichen einem Pferdegespann, bei dem jedes einzelne Pferd in
Panik in eine andere Richtung als die andern davonpreschen wollte – ohne aber vom Fleck zu
kommen, weil die einzelnen Pferde mit dem Wagen verbunden waren.
Ich litt sehr. Panik herrschte in mir vor, ausser in den Momenten, da mein Hass auf Sherman
meine Gefühle dominierte. War ich zu einem Mord fähig? Durfte man einen Tyrannen töten?
In den zehn Geboten heisst es, du sollst nicht töten!
Im nächsten Augenblick fühlte ich mich elend und allein gelassen. Ich wollte fliehen, dem
Schicksal entrinnen! Doch wohin sollte ich gehen? Würde ich eine Fahrt mit dem Beiboot
überhaupt überleben? Und wenn Sherman mich erwischt, wird er mich richten und wie
meinen Bruder den Haien zum Frass vorwerfen! Wäre es nicht einfacher, mir gleich sofort
eine Kugel durch den Kopf zu schiessen?
Mein Leben stand zweifellos an einem Scheideweg. Ich fühlte im Innersten, dass mein
Schicksal auf der Destiny von der Entscheidung abhing, die ich heute Nacht treffen würde.
Doch meine Gedanken kamen nicht zur Ruhe, ich konnte mich zu keinem Entschluss
durchringen. Für einen kurzen Moment nickte ich schliesslich ein.
Im Traum sah ich meinen Bruder. Alles wirkte, als würde ich einen kurzen Moment der
Vergangenheit durchleben. Ich fühlte meines Bruders Hass auf Sherman. Ich sah, wie er die
Meuterei anführte, wie man ihn niederschlug und die Meuterei im Keim erstickte.
Mit Erschaudern erlebte ich, wie Sherman ihn und die andern Meuterer zu Tode peitschen
liess. Ich litt mit ihnen. Die leblosen Körper liess Sherman kochen und zwang die Matrosen,
das Fleisch zu essen.