Plötzlich verdunkelte sich der Himmel. Wie auf Kommando verstummten alle. Jeder Lehrer
wäre bei diesem Effekt vor Neid erblasst. Vom kleinsten Erstklässler bis zur grössten
Sechstklässlerin hielten alle inne bei dem, was sie gerade taten oder sagten und blickten mit
geweiteten Augen und offenem Mund gespannt in die Richtung, aus der die schwarzen
Gestalten geflogen kamen. Gul liess die weinende Margarethe los und starrte seinerseits nach
oben. Dreizehn an der Zahl, und jede Gestalt war so gross wie ein Bussard. Doch die
keilförmig angeordneten Schwanzfedern verrieten den Kolkraben.
Dreizehn an der Zahl, und sie sanken herab in die Kronen der Pausenplatzbäume. Sie riefen
einander ihr hallendes «Korrk!» zu und landeten auf den hohen Ästen, verteilt auf mehrere
Bäume. Die Schnäbel waren offen, die Hälse dick aufgeplustert. Dreizehn Kolkraben waren
gekommen, und dreizehn durchdringende Augenpaare glotzten gebieterisch auf die jungen
Menschen herab. Ein Rabe stach durch seine Grösse hervor. Er war besser genährt als die
andern und sein Gefieder prangte metallisch schimmernd. Dieser Rabe hockte auch am
tiefsten von allen und blickte am grimmigsten.
Auch Margarethe schaute mit verweinten Augen auf und erkannte durch den Tränenschleier
nur schemenhaft, was sich abspielte, als sie plötzlich von Ariane mutwillig geschubst wurde
und während ihres unbeholfenen und erfolglosen Versuchs, das Gleichgewicht nicht zu
verlieren, Gul auf die Füsse trat. Gul schrie auf, verwarf die Hände und fluchte auf
Margarethe ein, die auf den harten Boden des Pausenplatzes fiel. Als sie versuchte,
aufzustehen, verpasste ihr Gul einen Fusstritt ins linke Schienbein, worauf Margarethe
unsanft auf die rechte Seite fiel und ihr Kopf auf den Asphalt schlug. Vor ihren Augen
verschwammen die Umrisse der Mitschüler, ein Pfeifen drang an ihr Ohr, und ein schwarzer
Schatten verdunkelte ihre Sicht. Gul schrie wie ein Verrückter, stiess seine Kollegen zu
Boden und rannte wie ein Irrer davon, dicht gefolgt von einem tief fliegenden Raben. Es war
der grosse, schöne Vogel, der ihn verfolgte, und Margarethe wusste, dass es Plonk war. Und
Plonk war schneller als Gul, stiess dem Flüchtenden beim Überflug die Krallen von hinten
nach vorne durchs Haar. Blut spritzte auf Guls gelbes T-Shirt und er schrie verzweifelt um
Hilfe.
Nach einer blitzschnellen Kehrtwende griff Plonk erneut an. Gul duckte sich und legte seine
Arme schützend über den Kopf, doch Plonk streifte stattdessen Guls Handrücken. Der sonst
so kräftige und harte Bursche stürzte von plötzlicher Schwäche befallen zu Boden, schrie,