So aussichtslos war Ida ihre Lage noch nie vorgekommen. Sie musste etwas wirklich teuflisch
Intelligentes finden diesmal, um hier wegzufinden. Sie hatte keine Jadokristalle, sonst hätte
sie den Cadillac zum Fliegen bringen können - falls sie bis zum Auto überhaupt vordringen
könnte. Sie lief Gefahr, mit der öligen Flüssigkeit der Jado-Schattenblattpalmen in Berührung
zu kommen. Dann würde sie durch das Gift langsam und qualvoll getötet. Ida war schlicht
verzweifelt. Die Baumwurzeln hatten Risse in die Wände des Gangs geschlagen. Manchmal
reckten sich Wurzelspitzen bedrohlich in ihre Richtung. Ida wich allem aus, was biologischen
Ursprungs schien. Sie musste, der Leiterlänge nach zu urteilen, in etwa fünf bis sechs Metern
Tiefe sein. Dehalb verwunderte es sie nicht, dass die Baumwurzeln teilweise den Gang stark
verschmälerten. Ida musste acht geben, nichts zu berühren. Als es immer gefährlicher wurde,
weil die Wurzeln schon begannen, ein dichtes Geflecht zu bilden, sah sie sich gezwungen,
den nächstgelegenen Schacht zu benutzen, um wieder nach oben zu gelangen.
Glücklicherweise war dieser Schacht beinahe frei von Wurzeln. Oben angelangt, stemmte sie
mit starkem Herzklopfen die Zugangstür auf. Als Ida ihren Kopf in den Raum, in den sie
gelangt war, streckte, erschrak sie: Der Kühlergrill des roten Pickup grinste sie an. Ida atmete
erleichtert auf und entstieg dem Schacht. Sie musste zwischen Autoreifen und
Benzinkanistern ihren Weg durch das untersten Regal eines zur Garage hin offenen Schranks
bahnen. Sie konnte von Glück reden, dass kein Reifen oder Kanister auf die Zugangstür
gekippt war, denn auch hier bohrten sich die Schattenblattpalmen durch Böden, Wände,
Decken und Regale. Der rote Pickup selbst war durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Die
Garagentür war aus den Angeln gehoben und lag wie ein Stück zerknittertes Papier auf der
Zufahrt. Ida erkannte ein Schild mit der Inschrift «Ausfahrt freihalten». Schattenblattpalmen
konnten zwar nicht lesen, doch sie hatten tatsächlich einen schmalen Durchlass übriggelassen.
Und in einer Ecke stand ein Jeep, der fahrtüchtig schien. Der Wagen hatte kein Verdeck.
Sofort schwang sich Ida ins Gefährt und fand die Zündschlüssel - sie steckten - die Mortimers
hatten die dumme Angewohnheit, die Zündschlüssel ihrer Autos immer stecken zu
lassen. Ida betätigte hoffnungsvoll die Zündung - der Motor sprang an. Sie steuerte den
Wagen zur Ausfahrt. Er holperte über das liegende Tor, und sie zirkelte ihn vorsichtig durch
den Wald. Palmenfrüchte baumelten wie Damoklesschwerter in den Kronen der Bäume. Vor
Schreck beschleunigte sie die Fahrt. Ida sah bereits die Wüste, die ihr den Waldrand
ankündigte. Kurz vor dem Ziel klatschte ein Blatt an die Frontscheibe des Jeep. Vor Schreck
legte Ida die linke Hand schützend über den Kopf. Das Blatt streifte ihren nackten Unterarm.
Sie spürte nichts. Ida hatte nur Augen für die Wüste, die sich vor ihr auftat, als sie den Wald
des Todes verliess. Es fühlte sich an, als hätte sie innert Sekunden einen starken Sonnenbrand